Le_juge_ou_la_cruche_casséeDer zerbrochene Krug

Der Schulrat erscheint bei der achten Klasse im Deutschunterricht.
Er begrüßt den Lehrer, und dann ruft er den Max auf.
“Was kannst du denn vom ‘Zerbrochenen Krug’ erzählen?”

Max hat natürlich ein gutes Gewissen: “Ich war es bestimmt nicht, Herr Schulrat.”

Der wendet sich empört zum Lehrer: “Haben Sie das gehört? Was sagen Sie dazu?”

Der Lehrer schwankt: “Ein Lausbub ist er eigentlich schon, der Max, aber er lügt nie. Wenn er sagt, er war es nicht, dann war er es nicht.”

Der Schulrat eilt zum Rektor. Dem ist die Geschichte sehr peinlich.
“Herr Schulrat, ich möchte wirklich nicht, dass deswegen etwas an unserer Schule hängenbleibt. Was kann der Krug wohl gekostet haben? Wenn ich Ihnen 10 Euro gebe, ist der Fall dann erledigt?”

Der Schulrat fährt entrüstet zurück ins Kultusministerium, lässt sich beim Staatssekretär melden und trägt ihm den Fall vor.

Der schüttelt den Kopf und meint: “Also, wenn Sie mich fragen, würde ich sagen, dass es der Rektor war. So ohne Grund hätte der bestimmt nicht so schnell gezahlt…”


Wer den zerbrochenen Krug nicht kennt, für den folgt jetzt eine kurze Zusammenfassung

“Der zerbrochene Krug” von Heinrich von Kleist:

Der Dorfrichter Adam war nächtlicherweise zu Eva Rull ins Haus geschlichen. In der Dunkelheit von Ruprecht, dem Verlobten des Mädchens, zum eiligen Rückzug gezwungen, wurde er von diesem bei der Flucht mit der Türklinke auf den Kopf geschlagen und musste zerschunden, mit Zurücklassung seiner Perücke, davon.

Bei der Prügelei ist ein wertvoller Krug zerbrochen. Frau Martha Rull hält Ruprecht für den Täter. Sie kommt zum Gerichtstag, den jungen Burschen, der nun auch von Eva, die er für treulos hält, nichts mehr wissen will, zu verklagen.

Der Gerichtsverhandlung wohnt der auf einer Inspektionsreise befindliche Gerichtsrat Walter bei. Dem Richter Adam ist bei der Sache nicht wohl und er sucht durch allerlei Wendungen zu verhüten, dass die Wahrheit an den Tag kommt.

Namentlich weiß er Eva zum Schweigen zu verpflichten, da er droht, sonst ihren Geliebten als Soldaten nach Indien zu schicken. Walter ahnt den Zusammenhang. Wie nun von einer Nachbarin auch noch Adams Perücke gebracht wird, die sie am Spalier hinter Marthas Haus gefunden, fordert er den Richter auf, zum Spruch zu kommen.

Adam verurteilt den Ruprecht zu Gefängnisstrafe. Das hält Eva jedoch nicht aus; sie öffnet jetzt den Mund und erzählt den wahren Hergang der Sache.

Adam entflieht, und der Gerichtsrat beruhigt die geängstigte Eva. Durch den wiederhergestellten Frieden zwischen ihrer Tochter und deren Verlobten Ruprecht beruhigt sich auch Frau Martha Rull über ihren zerbrochenen Krug.


Grafik modifiziert: “Der zerbrochene Krug” Kupferstich von Jean Jacques Le Veau (1729-1785) nach einem Gemälde von Philibert-Louis Debucourt | © copyright: gemeinfrei

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